Hikikomori Thumb
© ARD

Viele Menschen auf der ganzen Welt fühlen sich ab und zu mal besser, wenn Sie für eine gewisse Zeit einfach allein sein können.

Um es sehr schlicht auszudrücken: Hikikomori haben genau dieses Gefühl, jedoch verschwindet es nicht wieder.

Für viele Menschen, vor allem in Japan, ist es schwer bis unmöglich seine eigenen vier Wände zu verlassen. Aber warum ist das so?

 

Was macht einen Hikikomori aus?

Hikikomori (zu Deutsch: „Sich einschließen“ oder „sich wegschließen“) bezeichnet sowohl das Phänomen als auch die davon betroffenen Personen, die sich mehr als mindestens sechs Monate aus freiwilligem Entscheid in Selbstisolation gehen.

Manchmal für einige wenige Monate mehr, aber teilweise für mehrere Jahrzehnte, sitzen schätzungsweise 1 Million Hikikomori in ihren eigenen vier Wänden fest. Versorgt und gepflegt werden Hikikomori entweder durch ihre Eltern oder auch durch Hilfsorganisationen.

Die meist jungen erwachsenen Hikikomori ziehen sich, durch den auf ihnen lastenden hohen sozialen Druck, erst von der Schule zurück, bis die Zuflucht in die Isolation zur Gewohnheit wird und sie sich nicht mehr so leicht aus eigenem Antrieb in die Außenwelt trauen.

Hikikomori - Harte Arbeitswelt und Gesellschaft Japans
© RT Documentary

Die Hauptbeschäftigung von Hikikomori sind Unterhaltungsmedien jeglicher Art. Viele haben mehrere Regale voller Anime und Manga oder auch eine große Sammlung an Videospielen.

Im Westen kann man dieses Phänomen mit einem „NEET“ („Not in Education, Employment or Training“ oder zu Deutsch: „Weder in Ausbildung, noch am Arbeiten“) vergleichen, jedoch unterscheiden sich diese zu Hikikomori ein wenig.

 

Warum ist dieses Phänomen gerade in Japan so verbreitet?

Durch die in Japan damals entstandene Mentalität, dass das Wohl der gesamten Gesellschaft dem des einzelnen Menschen überwiegt und man ein Verlierer ist, wenn man zur Gesellschaft nichts beiträgt, fühlen sich viele in Japan lebende Menschen einem übermäßig hohen Druck ausgesetzt, eben nicht einer dieser Außenseiter zu werden.

Ist man in Japan anders als die Norm, dann wird man schnell als Außenseiter und Last für die Gesellschaft gebrandmarkt.

Das Schulsystem fördert diese Mentalität sogar, durch strengen Unterricht und kaum Platz für Kreativität, sowie das Beibringen von reinem Auswendiglernen.

Bis vor kurzem war es sogar Pflicht als Schüler die Haare schwarz zu färben, wenn diese nicht von Natur aus schon schwarz waren.

Mittlerweile haben die öffentlichen Schulen sich in diesem Aspekt des Lernsystems deutlich verbessert, jedoch gelten die öffentlichen Schulen nun als „verweichlicht“ und „zu leicht“.

Deswegen schicken Eltern ihre Kinder immer häufiger auf Privatschulen, in denen wiederum die Probleme des alten Lernsystems herrschen.

Dadurch fällt es vielen Schülerinnen und Schülern schwer dem Druck standzuhalten und ziehen sich dann lieber in die eigenen Zimmer zurück, um all diesen Erwartungen zu entfliehen.

 

Wie wird Hikikomori denn geholfen?

Es gibt zwei Weisen, wie man in Japan mit Hikikomori umgeht. Zum einen die passive Weise.

Bei der passiven Weise warten Eltern oder andere Verwandte und Bekannte des Hikikomori einfach, bis dieser sich selbst aus dem eigenen Zimmer traut und sich selbst wieder in die Gesellschaft eingliedert.

Und zum anderen die deutlich bessere Variante, die aktive Weise. Bei der aktiven Weise unterscheidet man nochmal zwischen dem psychiatrischen und dem sozialpädagogischen Ansatz.

Man spricht vom psychiatrischen Weg, wenn man Hikikomori einen stationären Aufenthalt in einer Klinik quasi aufzwingt und mit verschiedensten Medikamenten und intensiver Behandlung versucht dieser Verhaltensstörung oder auch mentalen Störung entgegenzuwirken.

Ein wenig anders sieht es beim sozialpädagogischen Weg aus. Hier werden mehrere Hikikomori in Wohngemeinschaften gebildet und beaufsichtigt.

Hier müssen alle Mitbewohner versuchen einen Alltag mit anderen Menschen zu führen, so müssen alle Hikikomori zum Beispiel zusammen für das Essen sorgen.

Internet wird in solchen Wohngemeinschaften meist verboten, um einen Rückschritt zu vermeiden.

Alle versuchen sich gegenseitig zu helfen, um wieder selbstständig und ohne Versagensängste an der Gesellschaft teilnehmen zu können.

Möglich machen solche Therapien Hilfsorganisationen, die sich dem Entgegenwirken des Hikikomori Phänomens verschrieben haben.

Viele davon werden sogar staatlich finanziert. Beispiele für solche Hilfsorganisationen wären hier zum Beispiel „Hidamari“ oder auch „Node“.

 

 

Hikikomori oder Introvertiert?

Was ist der Unterschied? Das Phänomen „Hikikomori“ klingt doch stark nach einer Person, die es bevorzugt allein gelassen zu werden und eher auf Kontakt mit Personen verzichtet. Jedoch sind Hikikomori und Introvertierte stark verschieden.

Hikikomori sind Personen, die sich aufgrund von Einwirkungen der Außenwelt und den daraus resultierenden Ängsten vor Versagen nur mit dem nötigsten sozialen Kontakt leben wollen und deswegen auf Hilfe von außen, wie zum Beispiel den Eltern wirklich angewiesen sind.

Introvertiertheit beschreibt jedoch Personen, die es bevorzugen in kleinen bekannten Kreisen in Ruhe ihre Freizeit zu verbringen oder auch manchmal nur mit sich selbst.

Mit lauten Menschenmengen kommen introvertierte Menschen zwar für kurze Zeit klar, brauchen aber danach meist wieder einen beruhigenden Ausgleich, damit Sie wieder Energie sammeln können für weitere aufregendere Abende.

Sie meiden den Kontakt mit Menschen nicht, sondern suchen nach engen und vertrauten Freundschaften. Außerdem fällt es introvertierten Personen nicht schwer selbstständig zu leben.

 

Hikikomori in der Popkultur

Durch das Internet bekam das Hikikomori-Phänomen großes Aufsehen, wodurch es in popkulturellen Medien wie zum Beispiel Videospielen häufig Verwendung findet. Spoilerwarnung für die kommenden Spiele.

 

Yume Nikki

Das wohl bekannteste Spiel über Hikikomori ist das 2004 erschienene Spiel „Yume Nikki“. In Yume Nikki spielt ihr selbst einen Hikikomori mit dem Namen „Madotsuki“ und erforscht ihre eigene, für viele etwas verstörende, Traumwelt und ihr eigenes Zimmer mit Balkon, um bestimmte Gegenstände zu finden und so neue Fähigkeiten freizuschalten und ebenso Events zu aktivieren.

Hat man alle 24 Gegenstände gefunden, ist das Spiel vorbei. Bis heute finden Spieler Interesse an dieser mysteriösen Traumwelt und finden sogar immer noch bis heute neue Events in besagter Traumwelt.

 

Omori

Ein relativ neues Spiel, welches ebenfalls mit dem Hikikomori-Phänomen spielt, ist das Spiel „Omori“.

Omori ist ein rundenbasiertes Action-Adventure, in dem man ebenfalls die Traumwelt und das Haus des Protagonisten erforscht und währenddessen über Omori und sein Leben vor seinem Rückzug in die Isolation erfährt.

Ein wirklich sehr spannendes und wirklich empfehlenswertes Spiel mit einem wirklich herausragenden Artstyle.

 

Persona 5

Das letzte Beispiel für Hikikomori in Videospielen ist ein Fan-Favorit, „Futaba Sakura“ aus „Persona 5“.

Ein wirklich sehr intelligentes und liebenswertes Mitglied der Phantom Thieves, die sich wegen ihrer tragischen Vergangenheit in die Isolation zurückzieht und ausschließlich über das Internet agiert, bis sie die Phantom Thieves kontaktiert, um diese um Hilfe zu bitten.

Sie möchte endlich wieder unter Menschen sein können und auch mit anderen sozialen Kontakt führen können.

 

Fazit

Das Phänomen der Hikikomori ist sehr tragisch und zeigt deutliche Schwächen der japanischen Mentalität bzw. Gesellschaft auf.

Obwohl Japan in vielen Aspekten den meisten anderen Ländern, durch die Kombination von traditionellen Strukturen und moderner Herangehensweise, weit voraus ist, zeigt genau dieses Problem, wie viele Menschen nach wie vor durch die Arbeitsmentalität Japans leiden müssen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass Japan sich in einigen Jahren von dieser Mentalität löst und sich für ein alternatives gesellschaftliches Denken öffnet.

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Ich bin Chris und seit langer Zeit bei den Themen Japan, Anime, Manga, Webtoons und Video Games dabei. Damals angefangen mit dem RTL II Nachmittagsprogramm, Pokito und der Playstation 1 fesselt es mich bis heute.

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